Hans-Georg Baunach

Hans-Georg Baunach

Geschäftsführung

13. März 2026

Luft nähert sich Sole

Vielfach herrscht die Meinung vor, mit Luft/Wasser-Wärmepumpen dem COP von Sole/Wasser-Installationen deutlich hinterherzuhinken. Einige Abstriche sind tatsächlich zu machen. Die halten sich allerdings in Grenzen. Heute sind Lösungen mit JAZ von 6 und mehr möglich, wie ein Besuch der OKE GmbH in Augsburg belegt.

Die Flächenstaaten Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen haben mit um 50 Prozent die höchste Wohneigentumsquote in Deutschland. In Stadtstaaten wie Hamburg, Bremen und Berlin und westdeutschen Großstädten bleibt wegen der hohen Immobilienpreise der großen Mehrheit der Einwohner nichts anderes übrig, als in Mietwohnungen der dicht an dicht gebauten Mehrfamilienhäuser zu ziehen. Diese Struktur macht es der Wärmepumpe schwer, in solchen Agglomerationen Fuß zu fassen. Während dort noch die Gasheizung auch im Neubau dominiert, nehmen die Chancen der Luft-Systeme zu, da ihre Entwicklung voranschreitet und die Hersteller sich mit Systemen befassen, die sich sogar in der Bausubstanz integrieren lassen.

Fachkenntnisse noch dünn

An der Vorrangstellung fossiler Feuerungen wird sich indes so rasch nichts ändern, da einerseits die vielfach winzigen Hinterhöfe für nachhaltige geothermische Systeme keinen Platz bieten und andererseits Planer und Anlagenbauer die Alternative, monovalente Luft-Wasser-Systeme, wegen der befürchteten Schallemissionen scheuen sowie eine nicht ausreichende Wärmeleistung bei tiefer Kälte befürchten. Das Ausweichen auf eine Hybridheizung setzt ein ausreichendes Know-how voraus. Daran mangelt es teilweise noch. Laut dem Softwareunternehmen Listfix dürften aktuell nicht wesentlich mehr als 4.000 von 50.000 eigetragenen SHKUnternehmen ausgewiesene Wärmepumpen- Fachbetriebe sein. Bayern führt die Liste der Experten mit etwa 900 Betrieben an. Das hat in erster Linie seine Gründe im dünnen Erdgasnetz im Freistaat. Heizöl und Pellets müssen auf dem Land für die Wärme in den Wohnungen sorgen, wobei Heizöl im Bestand der wesentliche Energieträger ist.

Die Rücklauftemperaturbegrenzer an den Heizkreisen sperren nicht, sondern sie regeln den Durchfluss je nach Wärmebedarf des Zimmers.

Bayern umrüstungsfreudig

Diese Dominanz des fossilen Klimaschädlings hebt das Flächenland bundesweit gesehen auf Platz 1 der Umrüstungen auf Wärmepumpen. Die meisten Anträge im Wohnhausbereich kamen nach Auswertung der Bafa im Jahr 2025 aus der Region zwischen Main und Alpen. Das Gebäudeenergiegesetz GEG gestattet nur noch neue reine Ölheizungen bis zur Vorlage einer kommunalen Wärmeplanung – pflichtig bis Mitte dieses Jahres in großen Städten, bis Mitte 2028 in kleineren. Des Weiteren müssen neue Ölheizungen sofort 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen oder als Hybridheizung installiert werden. Nicht nur die momentanen Regelungen des GEG animieren zu einem Einbau oder Wechsel auf einen nachhaltigen Energieträger –sowohl die Ölpreisverteuerung durch die CO2-Abgabe als auch die Ungewissheit über neue gegen Öl gerichtete Vorschriften in einer Novelle des Heizungsgesetzes leisten ihren Teil. Sollte das drastischer als bisher die Ölheizung verbieten, dürfte die finanzielle Förderung bis 70 % für die Umrüstung auf eine Wärmepumpe wenn nicht entfallen, so doch gekürzt werden.

Fehleranfällige Sole

Nach Aussage befragter Anlagenbauer brach deshalb zwischen Hof und Garmisch-Partenkirchen das Wärmepumpengeschäft selbst in den ersten kalten Wintermonaten der aktuellen Heizperiode nicht zusammen. Was ebenfalls überrascht ist die hohe Zahl der Luft/Wasser-Systeme. „Früher, vor etwa 20 Jahren, haben wir fast immer Sole/Wasser- oder Wasser/ Wasser-Wärmepumpen verbaut. Inzwischen sind es fast 95 Prozent Luft- Wärmepumpen. Die sind hocheffizient geworden. Wenn Sie häufige Fehler in der Sondenauslegung der Sole-Systeme einrechnen, erreichen Sie mit Luft als Energiequelle beinahe den gleichen COP wie mit Erdwärme. Die Aggregate kosten zwar etwas mehr in der Anschaffung, sie brauchen aber die teuren Tiefenbohrungen nicht.“ Nazim Ucar, Eigentümer und Geschäftsführer der OKE Optimum Konzept Energie GmbH in Augsburg, spricht aus Erfahrung. Fehler bei Sole/Wasser-Wärmepumpen äußerten sich oft durch Niederdruckstörungen, die meist auf zu geringen Soledurchfluss, Luft im Kreislauf oder unterdimensionierte Sonden/Kollektoren zurückzuführen seien. Bei den heutigen Luft/Wasser- Systemen sei die potenzielle Fehlerquote wesentlich geringer.

Gute Werte in der Bafa-Liste

Die Kennwerte der aktuellen Bafa-Liste für geförderte Wärmepumpen bestätigen die Aussage zum hohen Wirkungsgrad ETAs. Demnach liegt ETAs der von Ucar bevorzugten Zewotherm- Wärmepumpen für eine Vorlauftemperatur von 35 °C bei 1,71, während sich der Standard der Erdwärme zwischen 1,8 und 1,9 bewegt. Die Spitzenprodukte warten mit einem Wert über 2,0 auf. Rechnet man indes das Risiko erhöhter Installationsmängel ein, schmilzt der Unterschied. ETAs bezieht sich abweichend von COP und JAZ auf die Primärenergie. Dieser Wirkungsgrad errechnet sich aus dem saisonalen SCOP geteilt durch den Primärenergiefaktor 2,5 für Strom, auf den sich die Bafa-Liste abstützt. Je mehr grüner Strom indes ins Netz fließt, desto mehr profitieren Ausführungen mit Luft als Energielieferant davon. Deshalb, weil sich die CO2-Belastung der Umwelt durch den höheren Stromverbrauch der elektrischen Bauteile dieser Variante mit unter anderem einem Ventilator im Verdampfer, der einige tausend Kubikmeter stündlich über die Rippen des Wärmetauschers pressen muss, sich im Vergleich mit einer Sole/Wasser-Lösung absolut gesehen erheblich stärker reduziert.

Die Luft/Wasser-Wärmepumpen von Zewotherm/Lambda zeichnen sich durch einen Spitzenwert in der Effizienz aus. Die Anlage im Objekt Goslich hat 15 kW.

Minimierung der Schaltvorgänge

Die nachhaltigen Wärmeerzeuger basieren auf einer Entwicklung des österreichischen Start-up-Unternehmens Lambda GmbH. Die hohe Effizienz der Modelle begründet sich nach Herstelleraussagen unter anderem mit einen Verdampfungsprozess, der mit einer Spreizung zwischen dem Eintritt des Kältemittels Propan und dessen Austritt von 3 K auskommt und so das Temperaturniveau der Umgebungsluft besser verwertet, was den Verbrauch von Strom reduziert. Die vollmodulierende Betriebsweise passt die Leistung stufenlos an den aktuellen Wärmebedarf des Gebäudes an. Sie erhöht durch die Minimierung unnötiger Schaltvorgänge nicht nur die Lebensdauer. Das Takten von Wärmeerzeugern wirkt aufgrund der Anlaufverluste bei jedem Gerätestart negativ auf die Effizienz. Schlussendlich verlängern sich auch noch die Serviceintervalle.

Volles Auftragsbuch

Ucars Auftragsbuch ist absolut voll. Mit seinen 22 Mitarbeitern realisiert er jährlich rund 50 Installationen,

„mindestens eine pro Woche, manchmal auch zwei. Mehr geht nicht mit meinem Personalstamm. Wollte ich mehr tun, müsste ich einstellen. Einen guten Mitarbeiter müssen Sie aber erst einmal finden.“

Das volle Auftragsbuch sei der Mund-zu- Mund-Empfehlung geschuldet. Er akquiriere nicht.

„Das belegt, dass die Effizienz und Qualität meiner Wärmepumpen als auch meiner Installationen beim Kunden gut ankommen. Denn nichts ist schlechter als eine negative Beurteilung.“

Wie gut seine Installationen sind, bestätigt der Bildschirm. Der aktuelle Zustand einer Zewotherm-Anlage am 9. Januar die- Die Luft/Wasser- Wärmepumpen von Zewotherm/ Lambda zeichnen sich durch einen Spitzenwert in der Effizienz aus. Die Anlage im Objekt Goslich hat 15 kW. 38 SANITÄR+HEIZUNGSTECHNIK 3/2026 HEIZUNG ses Jahres zeigt eine Jahresarbeitszahl von 4,7 für zwei Monate Betriebszeit seit Inbetriebnahme am vergangenen 9. November an,

„für zwei kalte Wintermonate und der Aufheizung des Estrichs mit der Wärmepumpe“.

Mit einer Luft/Wasser-Wärmepumpe.

Rücklauftemperaturbegrenzer

Er habe in einer Fachzeitschrift von einer JAZ von 8,2 eines Objekts eines Kollegen bei Karlsruhe gelesen. Dort fällt allerdings die Außentemperatur im Jahresdurchschnitt nicht unter 5 °C. Mit ähnlicher Ergiebigkeit könne er ebenfalls aufwarten. Nur sei dieser hohe Wirkungsgrad nicht allein „mit der besonderen Klasse“ der Maschine begründet, sondern dazu addiere sich, genauso wie bei der Installation in Karlsruhe, die energiesparende Wärmeverteilung und Wärmeregelung in den einzelnen Heizkreisen mit den RTB Rücklauftemperaturbegrenzern der Firma Baunach.

„Wenn ich Anlagen von mir ohne und mit RTB vergleiche, sieht es so aus, dass die mit RTB um einen vollen COP-Punkt die Effizienz der Einbauten ohne diese Armaturen übersteigen.“

Gewinn mit RTB

Sowohl die Firma Baunach, die Ventilschmiede in Hückelhoven bei Aachen, als auch der Wärmepumpenbauer Zewotherm aus Remagen sahen das verschenkte Potenzial in den Standardhydrauliken und -konstruktionen. Zewotherm/Lambda setzte unter anderem beim Wärmetausch sowie bei der Regelung des COP-schwächenden Abtauvorgangs an, mit Heißgas statt Strom und einer Begrenzung auf das absolute Minimum. Die Eingriffe führten das Unternehmen in Bezug auf ETAs in die Spitzenreiterposition. Die Baunachsche Hydraulik garantiert eine lange Wärmeerzeugerlaufzeit, indem die RTBs in Heizkreisen für Wärmepumpen und Kessel genau den Durchfluss einstellen, der dem Wärmebedarf der gewünschten Raumtemperatur entspricht.

Installation noch in der Umbauphase von Heizöl auf Wärmepumpe. Das Objekt hat eine beheizte Wohnfläche von 300 m2. In den ersten zwei Wintermonaten arbeitete die Wärmepumpe bereits mit einem COP von 4,7, obwohl sie auch den Estrich aufheizen musste.

Weniger Verluste

Ständige Startverluste durch permanentes Sperren und Entsperren des vollen Heizwasserstroms, wie für Thermostatventile üblich, entfallen. Nazim Ucar hat den Gewinn der Kombination hocheffiziente Wärmepumpe mit hocheffizienter Wärmeverteilung entdeckt. Sie sei für ihn, für die Energiekosteneinsparung beim Kunden und für die Umwelt heute ein Muss. Im Gegensatz zu vielen Meinungen und Aussagen zum Wirkungsgrad von Luft/Wasser-Wärmepumpen seien seine Installationen bis auf ein paar Abstriche der Erdwärme ebenbürtig.

Es begann mit Rendemix

Die OKE setzt schon seit vielen Jahren den ersten Beitrag der Hückelhovener zur Energiewende ein: das Rendemix- Verfahren. Dessen Herzstück ist ein spezieller Mehrwegemscher zur Optimierung der Heizungshydraulik durch verbesserte Schichtung im Pufferspeicher und die direkte Nutzung von Rücklauftemperaturen. Ganz besonders in Wohngebäuden mit üblichen Hochtemperatur-Radiatoren im ersten Stock und Fußbodenheizung Parterre spielt das Prinzip seine Vorteile aus, da es den 40- oder 50grädigen Rücklauf aus den Heizkörpern als Vorlauf in die Bodenheizung schiebt und die unterschiedlichen Wasservolumina ausgleicht. Im Prinzip läuft die Idee auf eine Halbierung der aufzuheizenden Wassermenge hinaus. Das jetzt wesentlich kältere Rücklaufwasser fördert darüber hinaus in Brennwertkesseln die Kondensation, da es häufig 30 oder 35 °C nicht übersteigt und so dem Rauchgas einen Großteil seines Energieinhalts tatsächlich entzieht. Ucar:

„Bei 50 °C tut sich nichts der Rede wert. So sieht es aber bei den meisten Brennwertkessen aus.“

Die zweite Innovation

Des Weiteren verhindert Rendemix durch eine Zweizonen-Be- und Entladung von Speichern die Durchmischung von warm und kalt. Dadurch bleibt eingespeiste Heißwassertemperatur lange erhalten. Das führt im Ergebnis zur Verdoppelung der Speicherkapazität ohne zusäztlichen Energieaufwand und damit ebenfalls zur spürbaren Senkung des Verbrauchs von Gas, Öl oder Strom. Vor einigen Jahren stellte die Firma Baunach ihre zweite Innovation für Heizkreise vor, die Rücklauftemperaturbegrenzer RTB als Heizkreis- oder Einzelraum-Temperaturregler. Diese thermostatischen Ventile erfassen als Indikator für die Raumlufttemperatur die Wassertemperatur im Rücklauf eines Heizkreises und schließen oder öffnen je nach Abweichung vom voreingestellten Sollwert den Durchsatz um ein bestimmtes Volumen. Das Dehnstoffelement in gewöhnlichen Thermostatventilen an einem Heizköper reagiert direkt auf die Umgebungslufttemperatur und sperrt oder öffnet nach dem Ein/Aus- Prinzip den Durchfluss des Vorlaufs völlig, ohne auf dessen Volumen Einfluss zu nehmen. Der volle Warmwasserstrom prallt damit von der Zirkulationspumpe getrieben gegen eine Wand namens Ventilteller, mit einer Wärmeleistung von Null.

Im 800-l-Puffer sorgt der Rendemix-Mehrwegemischer mit seinen zwei Rücklaufeingängen für eine stabile Temperaturschichtung.

Durchfluss nach Maß

Die RTB demgegenüber erkennen, dass bei einer hohen Rücklauftemperatur, weil etwa Sonne ins Zimmer fällt, zu viel Vorlauf die Raumtemperatur über den Sollwert hebt. Sie fahren den Durchsatz sensibel herunter und passen so den Umlauf im Heizkreis genau dem Wärmebedarf des Zimmers an. Ist der Rücklauf zu kalt, öffnen sie mehr. An einem Skalenrad ist der Durchsatz für die Soll-Raumtemperatur einzustellen. Aus bestimmten thermodynamischen Gründen bedarf es eines Mindestumlaufs durch die Ventile. Der sichert eine lange Laufzeit der Wärmepumpe, hat allerdings einen Nachteil: Er lässt nicht zu, ungenutzte Zimmer vorübergehend völlig vom Netz zu nehmen. Die OKE GmbH fand dafür aber bereits eine Lösung. Sie sieht eine zusätzliche thermostatische Einzelraumregelung klassischer Art quasi als Fern-Ein/Ausschalter für die RTBs vor. Dreht der Nutzer an diesen Stellelementen den Heizkreis oder Heizkörper ganz ab, zirkuliert auch nichts durch die Rücklauftemperaturbegrenzer.

Die „RTB“-Regelventile sind im Rücklauf eines jeden Heizkreises der Fußbodenheizung montiert.

www.ok-e.de
www.baunach.de
www.zewotherm.de

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